Brijuni Inseln: Nationalpark, Safaripark und Tipps für Besucher
Ein Stück Kalter Krieg verbirgt sich zwischen römischen Ruinen und Dinosaurier-Spuren, umgeben von türkisblauem Wasser. Die Brijuni Inseln vor der Küste Istriens bieten eine Mischung, die man sich in dieser Form kaum ausdenken kann: Auf einem einzigen, autofreien Fleckchen Erde spazieren Sie unter 1.600 Jahre alten Olivenbäumen und begegnen im Safaripark dem Erbe von Josip Broz Tito. Doch wer diesen Ausflug plant, landet im Vorfeld schnell in einem organisatorischen Nebel. Wie kommen Sie am besten auf die Insel? Was kostet ein Besuch insgesamt, lohnt sich die Fahrt mit der beliebten Touristenbahn – und wie viel Zeit müssen Sie für all das überhaupt mitbringen?

Wo liegen die Brijuni Inseln und was macht sie besonders?
Das Archipel reiht sich mit seinen vierzehn Inseln und Inselchen wie eine Perlenkette vor der Westküste Istriens auf, zwischen dem nördlicher gelegenen Rovinj und dem südöstlich gelegenen Pula. Für Tagesausflügler öffnet sich allerdings nur ein einziges Tor: die gut 562 Hektar große Hauptinsel Veliki Brijun (oft auch Veli Brijun genannt). Ihre kleine Schwester Mali Brijun und die restlichen Eilande bleiben dem üblichen Massentourismus verschlossen und sind nur im Rahmen besonderer Touren erreichbar.
Seit 1983 steht die gesamte Inselwelt als Nationalpark unter Schutz. Wer hier unberührte Wildnis erwartet, irrt allerdings. Brijuni ist ein über Jahrtausende kultiviertes landschaftliches Meisterwerk. Wo einst Römer, Byzantiner und Venezianer bauten, formten später ein österreichischer Industrieller und der jugoslawische Staatschef Tito die Landschaft nach ihren Vorstellungen. Heute spazieren Sie durch einen weiten Park aus Steineichen, duftendem Lorbeer und mediterraner Macchia. Auf den gepflegten Rasenflächen dazwischen grasen Dam- und Axishirsche friedlich neben Mufflons, während frei laufende Pfauen das Bild perfekt machen.
Die Geschichte von Brijuni: vom Malariasumpf zur Staatsresidenz
Jeder Baum und jeder Weg auf Brijuni erzählt davon, wie Menschen diesen Ort nach ihrem Willen geformt haben. Dabei galt das Archipel lange als tödliche Falle: Die Malaria beherrschte die Inseln und machte sie schlichtweg unbewohnbar.
Das änderte sich erst durch eine damals verrückte Vision im Jahr 1893. Der Wiener Industrielle Paul Kupelwieser kaufte das gesamte Archipel, um ein mondänes Seebad aus dem Boden zu stampfen. Um das tödliche Fieber zu besiegen, holte er im Jahr 1900 keinen Geringeren als den Bakteriologen Robert Koch nach Brijuni. Das geschah mit vollem Erfolg: 1901 galten die Inseln offiziell als malariafrei. Erst jetzt konnte Kupelwieser seinen exklusiven Kurort samt Luxushotels, Strandbädern und einem Golfplatz errichten, was rasch den europäischen Hochadel anzog.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich Brijuni vom Adelsresort zu einer politischen Machtzentrale. Der jugoslawische Staatschef Josip Broz Tito machte Veliki Brijun von 1949 bis 1979 zu seiner privaten Sommerresidenz und regierte von der Weißen Villa aus. Die Insel wurde zur Bühne der Weltpolitik: Tito empfing hier rund hundert Staatsoberhäupter, Filmstars und gekrönte Häupter. Ein historischer Meilenstein war das Jahr 1956. Tito traf sich vor Ort mit dem ägyptischen Präsidenten Nasser und dem indischen Premier Nehru. Mit der Brioni-Deklaration gründeten sie die Bewegung der Blockfreien Staaten. Für normale Bürger war Brijuni in diesen Jahrzehnten absolutes Sperrgebiet. Erst nach Titos Tod im Jahr 1980 fiel der eiserne Vorhang um die Insel, sodass sie als Nationalpark für alle geöffnet wurde.
Dieses Erbe spüren Sie bis heute auf Schritt und Tritt. Es erklärt den exotischen Safaripark, die akkurat gepflegten Wiesen anstelle von dornigem Gestrüpp und die Existenz der Weißen Villa. Letztere dient übrigens bis heute für offizielle Staatsempfänge und bleibt gewöhnlichen Besuchern streng verschlossen.
Wie kommt man auf die Brijuni Inseln?
Ihr Sprungbrett in den Nationalpark ist das malerische Fischerdorf Fažana, das genau zwischen Pula und Rovinj liegt. Von der Kaimauer setzen die offiziellen Schiffe des Nationalparks in entspannten 15 Minuten nach Veliki Brijun über. Wer mit dem eigenen Boot anreist, darf übrigens nicht einfach spontan anlegen – der Seeverkehr ist hier streng geregelt, und wer in den Buchten ankern möchte, zahlt saftige Gebühren.
Im Sommer pendeln die Fähren bis zu zehnmal am Tag hin und her, während der Fahrplan in der Nebensaison auf etwa vier Verbindungen schrumpft. Hier lauert die erste große organisatorische Stolperfalle für die Ausflugsplanung: Ihr Fährticket ist unerbittlich an eine feste Abfahrtszeit gebunden. Sie können nicht einfach eine Fähre früher oder später nehmen. Wer seinen gebuchten Zeitslot verpasst, hat Pech – Stornierungen oder Umbuchungen auf eine andere Uhrzeit sind schlichtweg nicht möglich.
Wenn Sie mit dem Auto anreisen, stellen Sie dieses am besten auf dem bewachten Parkplatz in Fažana ab. Dieser schlägt von Juni bis September mit 15 Euro pro Tag und Fahrzeug zu Buche, von Oktober bis Mai sind es 12 Euro. Reisen Sie mit dem Bus an oder radeln Sie zum Hafen, sparen Sie sich dieses Geld logischerweise.
Am Hafen von Fažana werben zudem viele private Bootsbesitzer mit Touren rund um das Archipel. Diese Fahrten sind zwar oft billiger, haben aber einen entscheidenden Haken: Sie dürfen auf Veliki Brijun nicht anlegen. Wenn Sie also den Safaripark, die Olivenbäume oder die römischen Ruinen aus der Nähe betrachten und über die Insel spazieren wollen, müssen Sie zwingend das offizielle Nationalpark-Ticket buchen.
Was kostet der Besuch im Nationalpark Brijuni?
Der Eintrittspreis richtet sich nach der jeweiligen Jahreszeit. Das Gute vorweg: In diesem Preis sind die Überfahrt hin und zurück sowie eine geführte Tour auf der Insel bereits enthalten.
| Posten | Hauptsaison (Juni–September) | Nebensaison (übrige Monate) |
|---|---|---|
| Erwachsene | ca. 50 Euro | ca. 35 Euro |
| Kinder 7–18 Jahre | 50 % des Preises | 50 % des Preises |
| Kinder unter 7 Jahren | frei | frei |
| Parkplatz Fažana / Tag | 15 Euro | 12 Euro |
Wer mit der ganzen Familie anreist, sucht vergebens nach Rabatten: Ein Familienticket gibt es nicht, abgerechnet wird strikt pro Kopf. Zwar existieren Ermäßigungen für Studierende, Rentner, Menschen mit Behinderung, kroatische Kriegsveteranen oder Gruppen ab 25 Personen, doch die gibt es nicht bequem per Mausklick im Internet. Solche Tickets müssen vorab per E-Mail angefragt und spätestens 30 Minuten vor Abfahrt am Schalter in Fažana abgeholt werden.
Da der Preis im Netz auf den Cent genau dem am Schalter entspricht, lockt hier kein finanzieller Frühbucherrabatt. Dennoch ist der Vorabkauf über den Webshop des Parks dringend zu empfehlen. Gerade in der Hochsaison sind die besten Abfahrtszeiten und vor allem die deutsch- und englischsprachigen Führungen oft rasend schnell vergriffen. Ein Drucker ist dafür überflüssig, da Sie am Boot einfach den Barcode auf Ihrem Smartphone scannen lassen.
Machen Sie sich allerdings keine Illusionen über das finale Tagesbudget. Sobald Sie Fahrräder leihen, ein Elektroauto mieten, Golfcarts nutzen oder vor Ort essen gehen, schießen die Kosten für eine Familie steil in die Höhe. Seit Kroatien den Euro eingeführt hat, haben diese Nebenkosten auf der Insel noch einmal merklich angezogen. Wer die Urlaubskasse schonen möchte, packt bereits in der Unterkunft einen großzügigen Picknickkorb. Auf der Insel erwarten Sie nämlich keine Geschäfte und keine Geldautomaten.
Der Safaripark: Titos exotisches Erbe
Für viele Tagesgäste ist er der Hauptgrund der Anreise: der Safaripark an der Nordspitze der Insel. Auf einer eingezäunten Fläche von neun Hektar leben Tiere, deren Anwesenheit in Istrien auf den ersten Blick völlig absurd wirkt. Doch die Erklärung dafür ist simpel und faszinierend zugleich. In seinen Jahren als Hausherr nutzte Josip Broz Tito die Insel von 1949 bis 1979 als Sommerresidenz und empfing dort rund hundert Staatschefs aus aller Welt. Viele von ihnen brachten exotische Tiere als Gastgeschenke mit – und begründeten so den heutigen Bestand.
Der absolute Liebling der Besucher ist die indische Elefantenkuh Lanka. Sie reiste im Jahr 1972 als Geschenk der indischen Premierministerin Indira Gandhi an. Die Zebras gehen auf den guineischen Präsidenten Sékou Touré (1960/61) zurück, während das in Indien heilige Zebu von Premier Nehru bereits 1959 überreicht wurde. Heute teilen sie sich das Areal mit Lamas, Straußen und stolzen Pfauen, darunter auch faszinierende weiße Albinos. Direkt angrenzend zeigt ein Ethno-Park in Form eines traditionellen istrischen Gehöfts heimische Rassen wie das Pramenka-Schaf, Ziegen und Esel.
Man muss bei all dem allerdings ehrlich bleiben: Wenn Sie hier eine afrikanische Weite oder einen modernen Mega-Zoo erwarten, werden Sie enttäuscht. Der Park ist überschaubar, und die Tieranzahl auf den neun Hektar fällt recht gering aus. Besonders das Schicksal der Elefantin Lanka rückt oft in den Fokus. Seit dem Tod ihres Partners Sony lebt sie allein, was sensiblen Besuchern sofort auffällt und immer wieder kritisiert wird. Der Nationalpark argumentiert jedoch nachvollziehbar, dass ein Umzug oder die Vergesellschaftung mit einem neuen Elefanten für ein Tier dieses hohen Alters ein massives Risiko darstellen würde. Wer durch den Zaun in die Gehege blickt, sollte also weniger die Erwartung an einen Zoo mitbringen, sondern vielmehr das sehen, was die Anlage in Wirklichkeit ist: ein lebendiges Zeugnis der Kalter-Krieg-Geschichte.
Es gibt ein paar eiserne Regeln vor Ort: Füttern ist strikt verboten, und das geschieht ausschließlich im Interesse der Tiere. Wer seinen Hund dabei hat, muss leider draußen bleiben – Vierbeiner dürfen das Areal nicht betreten, auch nicht an einer kurzen Leine. Und ein ganz wichtiger Aspekt für die Wegeplanung: Den Safaripark können Sie nicht frei zu Fuß erwandern, da er die fest eingeplante erste Station der Touristenbahn darstellt.
Die geführte Bahntour: lohnt sie sich?
Mit dem Kauf Ihres Standardtickets erwerben Sie automatisch eine etwa einstündige Fahrt mit der Touristenbahn über die Insel, die von einem kundigen Guide begleitet wird. Für das gesamte Ausflugspaket – bestehend aus Überfahrt, Bahntour, Safaripark und dem Besuch im Museum – sollten Sie insgesamt gut vier Stunden veranschlagen.
Doch die Bahnfahrt ist auch genau der Punkt, an dem sich im Netz oft die meiste Kritik entlädt. Der Frust dreht sich dabei fast immer um dasselbe Thema: die Sprache. Mehrfach berichten Gäste, dass ihnen bei der Online-Buchung eine englischsprachige Tour zugesagt wurde, aus den Lautsprechern der Bahn dann später aber ausschließlich Kroatisch tönte. So verpufft die an sich spannende Geschichte der Insel für fremdsprachige Besucher völlig. Wenn Sie auf die Erklärungen in deutscher oder englischer Sprache angewiesen sind, buchen Sie diese zwingend im Voraus und lassen Sie sich die Sprache vor dem Einsteigen in Fažana noch einmal am Schalter explizit bestätigen. Viele empfinden die Fahrt zudem als zu schnell. Die Bahn rattert zügig von Station zu Station, sodass am Safaripark gerade einmal eine Viertelstunde für einen kurzen Stopp bleibt.
Wer dem starr vorgegebenen Takt entfliehen will, entscheidet sich stattdessen für den Brijuni Pocket Guide. Das ist ein reguläres Nationalpark-Ticket ohne einen festen Sitzplatz in der Bahn. Stattdessen laden Sie sich die offizielle App aufs Handy und erkunden das Eiland auf eigene Faust – egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder in einem surrenden Elektroauto. Viele erfahrene Brijuni-Kenner raten exakt zu diesem Weg, weil Sie auf diese Weise an den jeweiligen Highlights einfach so lange verweilen können, wie Sie möchten. Dieser Freiraum hat allerdings seinen Preis: Den Safaripark dürfen Sie ohne die Bahn schlichtweg nicht betreten, und bei den eher unscheinbaren archäologischen Ruinen an der Westspitze fehlt Ihnen vor Ort der Guide, der die alten Steinhaufen historisch fundiert einordnet.
Fahrrad, Elektroauto oder Golfcart: Wie erkundet man die Insel am besten?
Da Veliki Brijun komplett autofrei ist und eigene Pkw nicht auf die Insel dürfen, rückt das Thema Mobilität schnell in den Mittelpunkt. Direkt am Hafen, im sogenannten Sport house, wartet eine Flotte aus Leihfahrrädern, E-Rollern und kleinen Elektroautos auf ihre Kundschaft.
Bevor Sie Ihre Inseltour im Kopf in die Tat umsetzen, sollten Sie zwei handfeste Einschränkungen kennen. Erstens: Sie können im Vorfeld der Reise absolut kein Gefährt reservieren. Ob noch Räder oder Carts verfügbar sind, wird erst geprüft, wenn Sie leibhaftig am Tresen stehen. An Hochsommertagen oder wenn viele Schulklassen die Insel stürmen, ist der Verleih oft rasend schnell leergefegt. Wer dann am Ende leer ausgeht, muss notgedrungen deutlich mehr zu Fuß gehen als geplant. Die erprobte Taktik der Profis lautet daher: Buchen Sie einen frühen Zeitslot und marschieren Sie direkt nach dem Anlegen schnurstracks zum Verleih. Zweitens lassen die Preise vor Ort durchaus aufhorchen. Die Fahrzeuge sind vergleichsweise teuer, und der Begriff der Tagesmiete ist bei den Elektroautos etwas irreführend: Er deckt exakt fünf Stunden ab, nicht jedoch vierundzwanzig. Wer in einem Hotel auf der Insel übernachtet, erhält immerhin einen Rabatt in Höhe von 20 Prozent auf die Leihfahrräder.
Hängen Sie stattdessen an Ihrem eigenen Fahrrad oder E-Roller? Sie dürfen beides auf die Insel mitbringen. Das kostet allerdings eine extra Gebühr und erfordert, dass Sie Ihr Zweirad zwingend 24 Stunden vorher beim Nationalpark anmelden. Für Familien ist vor Ort ebenfalls bestens gesorgt: Es gibt passende Kinderräder und Anhänger zu mieten, während der Park robuste Kinderwagen sogar völlig kostenlos zur Verfügung stellt.
Mehr als Tiere: Ruinen, Dinosaurier und ein 1.600 Jahre alter Olivenbaum
Brijuni gedanklich nur auf den Safaripark zu reduzieren, wird der Insel überhaupt nicht gerecht. Die wahren Schätze verstecken sich nämlich abseits der Tiergehege.
In der idyllischen Bucht Verige (Val Catena) spazieren Sie durch die Überreste einer großzügigen römischen Villa, deren Bau im 1. Jahrhundert vor Christus begann und die im 1. Jahrhundert nach Christus ihre Blütezeit erreichte. Alte Tempel, Wasserzisternen und Wirtschaftsgebäude ziehen sich hier über mehrere hundert Meter direkt an der Küstenlinie entlang. In der Bucht Madona wartet anschließend das byzantinische Kastrum auf Ihren Besuch. Nirgendwo sonst auf der Insel stapelt sich die Historie dichter: Von der römischen Republik über die Ostgoten und Byzantiner bis hin zu den Venezianern haben hier alle Epochen ihre architektonischen Spuren hinterlassen.
Wenn klassische Geschichte zu abstrakt wird, schlägt auf Brijuni die Stunde der Urzeit. An vier verschiedenen Stellen der Insel haben sich im Gestein über 200 Dinosaurier-Fußabdrücke erhalten. Allein auf der Landzunge Pogledalo zeichnen sich rund sechzig wuchtige Spuren von zweibeinigen Fleischfressern aus der Kreidezeit im rauen Fels ab. Für Kinder ist diese Spurensuche oft deutlich spannender als die lebenden Tiere im Gehege, allerdings liegen die Fundorte etwas abgelegen und fordern ohne ein Leihfahrrad einen recht langen Fußweg.
Ein stiller, aber extrem beeindruckender Höhepunkt wurzelt zudem nahe der Küste: der berühmte alte Olivenbaum. Forscher haben ihn per Radiokarbonmethode auf ein stattliches Alter von rund 1.600 Jahren datiert. Der knorrige Überlebenskünstler trägt dabei noch immer Früchte. Jeden Oktober erntet man an seinen Ästen im Schnitt etwa 30 Kilogramm Oliven, aus denen wiederum rund vier Liter feinstes natives Olivenöl entstehen.
Nehmen Sie sich zum Abschluss Ihres Ausflugs noch etwas Zeit für das Museum „Josip Broz Tito auf Brijuni“, dessen Besuch im Standardrundgang bereits inbegriffen ist. Über 200 Fotografien dokumentieren darin das private und politische Leben des Staatschefs auf der Insel, flankiert von teilweise sehr kuriosen Geschenken und Erinnerungsstücken seiner damaligen Staatsgäste. Der recht kurzweilige Besuch dauert meist unter einer Stunde, liefert aber am Ende genau den historischen Kontext, der die seltsame Mischung aus herrschaftlichen Villen und exotischen Tieren erst wirklich verständlich macht.
Frei laufende Hirsche und Pfauen: die wilde Seite der Insel
Der Zaun um den Safaripark ist auf Veliki Brijun ohnehin nur die halbe Wahrheit. Für viele Familien stellt die frei umherstreifende Tierwelt das weitaus größere Erlebnis dar. Damhirsche und Axishirsche sowie Mufflons kreuzen hier völlig entspannt Ihren Weg. Sie wurden schon zwischen 1902 und 1908 auf der Insel angesiedelt und ziehen heute in kleinen Gruppen friedlich über die offenen Rasenflächen, oft gemeinsam mit Europäischen Hasen. Weil die Tiere an den ständigen Menschenkontakt gewöhnt sind, lassen sie sich aus einer angemessenen Distanz hervorragend beobachten. Gefüttert werden dürfen sie aber, wie alle anderen Tiere im Park auch, unter gar keinen Umständen.
Unübersehbar – und in der Regel auch unüberhörbar – sind auf Brijuni die stolzen Pfauen. Sie spazieren mit absoluter Selbstverständlichkeit völlig frei über die Insel, darunter erstaunlicherweise auch faszinierende weiße Albino-Exemplare. Wenn die Männchen im Frühjahr und Frühsommer ihr prächtiges Rad schlagen, gefällt das vor allem den kleinen Kindern. Aber Vorsicht vor einer scheinbar kleinen Regel mit großen Folgen: Gefundene Pfauenfedern oder andere Naturandenken dürfen Sie bei Ihrer Abreise unter keinen Umständen von der Insel mitnehmen.
Vogelfreunde finden an den Saline-Feuchtgebieten zudem ein echtes ornithologisches Paradies. Möwen, Seeschwalben, Kormorane, Reiher und Störche staksen dort auf der Suche nach Nahrung durch das flache Wasser. Für viele europäische Zugvögel ist Brijuni eine enorm wichtige Raststation auf ihrer Route. Wer hier mit einem eigenen Fernglas anrückt und etwas Zeit mitbringt, sieht abseits der trubeligen Bahnstationen oftmals deutlich mehr als auf der recht schnellen geführten Rundfahrt. Genau diese seltenen ruhigen Momente in der Natur sind das stärkste Argument für eine Eigenerkundung mit dem geliehenen Rad.
Praktische Tipps für den Besuch
Ein Ausflug auf die Brijuni Inseln unterliegt seinen ganz eigenen Spielregeln. Ein paar vorab beachtete Dinge machen den Tag vor Ort deutlich angenehmer:
- Kleiderordnung beachten: Das freie Herumlaufen in purer Badekleidung ist auf der Insel verboten. Wer nur in Badehose oder Bikini bekleidet Boote, Restaurants und Hotels betritt, bekommt schnell Ärger mit dem Personal. Wer baden will, braucht für die dazwischenliegenden Wege also zwingend eine angemessene Überkleidung.
- Baden nur in den ausgewiesenen Bereichen: Ein erfrischender Sprung ins Wasser ist lediglich an klar definierten Stellen erlaubt, etwa an der sandigen Saluga-Bucht, wo alte Pinien angenehmen Schatten spenden. Wer sich dort jedoch auf einer Liege ausruhen möchte, zahlt für diesen Luxus extra.
- Trinkwasser ist gratis und sicher: Das fließende Leitungswasser auf Brijuni besitzt nachweislich beste Trinkwasserqualität. Bringen Sie am besten Ihre eigene Flasche zum Auffüllen mit – das spart viel Geld, da es auf der Insel ohnehin keinen klassischen Supermarkt gibt.
- Bargeld oder Karte mitnehmen: Es gibt keinen einzigen Geldautomaten auf der Insel! Die bewirtschafteten Restaurants vor Ort und der Fahrzeugverleih akzeptieren aber glücklicherweise Kartenzahlungen.
- Keine Naturandenken: So schön sie im Sonnenlicht auch glänzt, Pfauenfedern und andere Fundstücke aus der Natur dürfen am Ende nicht als Souvenir mitgenommen werden.
- Beste Reisezeit: Der kroatische Spätfrühling, also Mai und Juni, gilt als ideal für einen Besuch. Zu dieser Zeit sind die Tage angenehm lang, die Vegetation blüht prächtig, die Tiere sind aktiv und die gewohnten Besuchermassen der Hochsaison fehlen glücklicherweise noch. An Wochenenden und an speziellen Tagen mit Schulausflügen im Hochsommer wird es auf der Insel mit Abstand am vollsten.
- Hunde: Die Mitnahme eines Vierbeiners ist gegen den Kauf eines Tickets möglich, aber es gelten strenge Regeln für Hundebesitzer. Hunde müssen in den dafür ausgewiesenen Bereichen der Insel immer streng angeleint bleiben. Da der Safaripark nur per Touristenbahn erreichbar ist und Hunde nicht in die Bahn dürfen, bleibt ihnen dieser Bereich grundsätzlich verwehrt. Auch ins Museum dürfen sie nicht mit.
Lohnt sich der Ausflug nach Brijuni?
Die Antwort auf diese Frage hängt einzig und allein von Ihrer persönlichen Erwartung ab. Wer eine spektakuläre, wilde Naturkulisse sucht, wird die sanft gepflegte Parklandschaft wohl eher unaufgeregt finden, und der recht kleine Safaripark ersetzt definitiv keinen großen städtischen Tierpark. Wer dagegen die einzigartige Kombination aus römischer Antike, Tito-Geschichte, einem uralten Olivenbaum und echten Dinosaurierspuren auf einer komplett autofreien Insel schätzt, erlebt einen faszinierenden Ort, den es in ganz Istrien kein zweites Mal gibt.
Damit der Tag sein Geld auch wirklich wert ist, sollten Sie einige Dinge beherzigen: Buchen Sie Ihr Ticket frühzeitig, lassen Sie sich die gewünschte Sprache Ihrer Führung am Schalter hartnäckig bestätigen, sichern Sie sich gleich nach der Ankunft ein Fahrrad oder Cart, bringen Sie Ihre eigene Verpflegung samt Trinkwasser mit und planen Sie ausreichend Zeit für die historischen Ruinen und den alten Olivenbaum jenseits des Safariparks ein. Wenn Sie diese Ratschläge befolgen, wird aus einem möglicherweise teuren Pflichtprogramm ein gelungener Ausflug, an den man sich später gerne erinnert.
Wer den Ausflug plant und noch nach einer passenden Unterkunft sucht, findet über Ferienhaus in Istrien eine große Auswahl direkt online.
Häufige Fragen zum Besuch der Brijuni Inseln
Wie viel Zeit sollte man für Brijuni einplanen?
Der straff getaktete Standardausflug wirft Sie nach rund vier Stunden wieder am heimischen Hafen an Land. Das deckt etwa eine Stunde Fahrt in der Touristenbahn ab, während sich der Rest auf das Museum, den Hafenbereich und etwas freie Zeit verteilt. Wer die Ruinen in der Bucht Verige, die Dinosaurierspuren und den alten Olivenbaum jedoch wirklich in Ruhe betrachten will, braucht dafür eher einen ganzen Tag und am besten ein geliehenes Fahrrad. Für eine richtige Erkundung zu Fuß empfehlen manche Kenner der Insel sogar zwei Tage samt einer Übernachtung vor Ort.
Kann man auf den Brijuni Inseln übernachten?
Ja, diese Möglichkeit besteht durchaus. Direkt auf Veliki Brijun gibt es das Hotel Istra mit dem Trakt Neptun direkt am Hafen, dazu kommen weitere Zimmerangebote, ein Hostel und einige sehr gut ausgestattete Luxusvillen. Der preisliche Clou an dieser Variante: Als Hotelgast haben Sie den notwendigen Bootstransfer und den eigentlichen Parkeintritt bereits im Übernachtungspreis inklusive. Sie können die Natur der Insel nach der abendlichen Abreise der Tagesgäste fast für sich allein erleben, was den größten Nachteil des Tagesausflugs – die zeitliche Hektik und die Touristenmassen – komplett in Luft auflöst. Wichtig für die Planung der Anreise ist lediglich, dass das erste Boot für Hotelgäste erst mittags um 12:30 Uhr ablegt.
Sind die Brijuni Inseln für Kinder geeignet?
Ja, ein Ausflug auf die Insel erweist sich als sehr familienfreundlich. Gerade die frei laufenden Hirsche und Pfauen, die Elefantin Lanka, die ratternde Touristenbahn und die mystischen Dinosaurierspuren kommen bei Kindern extrem gut an. Finanziell gibt es für Familien zudem eine kleine Entlastung: Kinder unter sieben Jahren haben freien Eintritt, und im Alter von sieben bis achtzehn Jahren zahlen sie lediglich die Hälfte. Ein praktischer Aspekt ist, dass vor Ort Kinderräder, Anhänger und sogar kostenlose Kinderwagen für die jüngsten Besucher bereitstehen. Da es auf der Insel keine Läden gibt, sollten Sie Snacks und Getränke für die Kleinen aber zwingend selbst im Rucksack mitbringen.
Lohnt sich die geführte Tour oder besser auf eigene Faust?
Beide Varianten haben für einen Ausflug ihre klare Berechtigung. Die geführte Fahrt mit der Bahn ist die einzige Möglichkeit, den Safaripark zu sehen, und liefert den wichtigen historischen Kontext – vorausgesetzt natürlich, die Führung läuft auch wirklich in einer verständlichen Sprache ab. Wer Tiere, Ruinen und Natur dagegen völlig ungestört im eigenen Tempo erleben will, fährt mit dem Brijuni Pocket Guide und einem Leihrad oftmals wesentlich zufriedener. Man verzichtet bei dieser Wahl dafür aber ganz bewusst auf den Safaripark. Eine geschickte Kombination beider Wege scheitert leider daran, dass der Safaripark ohne Bahn nicht betretbar ist und die Fahrt mit der Bahn an ein komplett eigenes Ticket gekoppelt ist.
Kann man auf Brijuni baden?
Das Baden ist grundsätzlich erlaubt, allerdings nur in den speziell ausgewiesenen Badebereichen wie der sandigen Saluga-Bucht, wo alte Pinien schönen und natürlichen Schatten spenden. Ein sehr wichtiger Punkt für alle Besucher: Das freie Herumlaufen in Badekleidung ist außerhalb dieser wenigen Bereiche streng verboten. Wer in Badehose oder Bikini bekleidet Boote, Restaurants oder Hotels betritt, bekommt schnell Probleme mit dem Aufsichtspersonal. Wer einen Sprung ins Wasser wagen will, packt für den Weg dorthin also zwingend trockene Überkleidung ein.