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Die 7 einsamsten Strände in Istrien

Istriens Küste erstreckt sich über mehr als 440 Kilometer und hält eine Besonderheit bereit, die man im Mittelmeerraum immer seltener findet: Die gesamte Küstenlinie ist öffentlich zugänglich, Privatstrände sind gesetzlich ausgeschlossen. Während sich die Urlaubermassen meist in den bekannten Buchten von Poreč, Rovinj und Pula drängen, bleiben weite Abschnitte der Küste nahezu unberührt. Wer bereit ist, staubige Schotterpisten in Kauf zu nehmen oder schmale Trampelpfade zu erkunden, findet sie noch. Es gibt sie, jene Orte, an denen das türkisfarbene Wasser fast ausschließlich einem selbst gehört. Die beste Zeit für diese Stille liegt zwischen Mai und Mitte Juni sowie ab Mitte September. In der absoluten Hochsaison zwischen Ende Juli und Mitte August füllen sich jedoch selbst die verstecktesten Winkel, sobald sie auf digitalen Karten auftauchen.

Einsame Felsbucht mit türkisem Wasser

1. Plaža Cisterna bei Rovinj

Etwa sechs Kilometer südlich des historischen Zentrums von Rovinj führt der Weg in eine sehr ruhige Umgebung. Kurz vor dem Campingplatz Veštar zweigt eine unbefestigte Schotterpiste ab, die nach zehn Minuten Fahrt die Bucht Cisterna preisgibt. Der Blick fällt hier auf die beiden runden Felsinseln Dvije Sestrice, die als Brutstätte für Möwen dienen. Der Strand selbst ist von ungewöhnlich weißen, runden Kieselsteinen geprägt. Eine weitere Besonderheit ist die Sandbank, die sich etwa zehn Meter vom Ufer entfernt durch das Meer zieht und bei Niedrigwasser sogar das Stehen im Wasser ermöglicht. Dies ist ein seltener Luxus für Familien in dieser felsigen Region.

Direkt angrenzend liegt das Vogelschutzreservat Palud mit seiner enormen Artenvielfalt. Wer Hunger mitbringt, findet in der Luan Beach Bar Burger und Karlovačko zu fairen Preisen, muss aber auf jeglichen weiteren Komfort verzichten: Duschen und Toiletten fehlen vollständig. Die Anfahrt erfordert etwas Geduld; zwar wird die Piste regelmäßig ausgebessert, doch der aufgewirbelte Staub macht langsame Fahrt bei geschlossenen Fenstern ratsam. Ruhe findet man im Hochsommer vor allem vor 9 Uhr morgens oder am späten Nachmittag, während FKK-Liebhaber in den westlich gelegenen Felsbuchten traditionell ihren Platz finden.

Parken: Entlang der Piste und direkt an der Bucht gibt es Stellplätze. Wer früh eintrifft, ergattert einen der wenigen Schattenplätze unter den Bäumen. Alternativ bietet sich der Parkplatz am Campingplatz Veštar an, von dem aus man die letzten 500 Meter zu Fuß zurücklegt.

2. Uvala Radovica am Kap Kamenjak

Das Kap Kamenjak bildet die zerklüftete Südspitze Istriens und beherbergt über 30 Buchten, von denen viele im Sommer gut besucht sind. Die Uvala Radovica ist jedoch ein Ziel für Individualisten, die einen schmalen, von Dornengestrüpp gesäumten Pfad nicht scheuen. Ein unscheinbares Warnschild bezüglich der Absturzgefahr markiert den Abstieg zur v-förmigen Bucht, die mit ihren blendend weißen Felsen einen starken Kontrast zum tiefblauen Meer bildet.

Der Zugang zum Wasser ist hier ein kleines Abenteuer, da man eine rund zwei Meter hohe Felskante erklettern muss. Für kleine Kinder oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist dieser Ort ungeeignet, was wiederum die Chance erhöht, die nur zehn Meter breite Bucht fast für sich allein zu haben. Schatten sucht man hier vergeblich, doch das kristallklare Wasser entschädigt beim Schnorcheln an den steilen Wänden. Der Zugang zum Naturschutzgebiet kostet pro Auto eine Tagesgebühr von 20 Euro in der Hauptsaison (15. Juni bis 15. September), in der Vor- und Nachsaison sind es 10 Euro, während Fußgänger und Radfahrer freien Eintritt genießen. Das Reservat ist von 7 bis 22 Uhr geöffnet; Campen ist streng untersagt.

Wichtig zur Einfahrt: Der Eintrittspreis gilt für das gesamte Naturschutzgebiet Kamenjak. Sie zahlen einmal an der Schranke und können damit alle Buchten des Parks, einschließlich Njive, Polje und Kolombarica, am selben Tag besuchen.

3. Uvala Njive (Westküste, Kap Kamenjak)

An der Westseite des Kaps liegt die Uvala Njive, ein etwa 150 Meter langer Kieselstrand, der von flachen Felsformationen eingerahmt wird. Ein großer Pluspunkt sind die Pinien, die bis dicht ans Ufer wachsen und natürliche Schattenplätze bieten. Dies ist ein rares Gut am sonst oft kargen Kap. Da die Bucht für Fahrzeuge gesperrt ist, bleibt es hier selbst im Sommer vergleichsweise ruhig.

Das Wasser schimmert durch den hellen Kieselgrund in einem intensiven Türkis und fällt flach ab. Unter Wasser lassen sich an den Felsrändern mit etwas Glück Kraken in ihren Verstecken beobachten. Wer beim Schnorcheln auf Meerestiere stößt, sollte vorher wissen was mitgenommen werden darf: Darf man in Istrien Muscheln sammeln? Während in der Hochsaison der kleine Imbiss Stare Užance einfache Verpflegung anbietet, sollten Besucher in der Nebensaison unbedingt eigene Vorräte und Wasser mitführen. Da der Handyempfang in der Bucht oft lückenhaft ist, empfiehlt es sich, Kartenmaterial vorab offline zu speichern.

Achtung, Fahrzeuge verboten: Die Bucht Njive ist eine autofreie Zone. Sie müssen Ihr Fahrzeug auf den ausgewiesenen Parkflächen am Hauptweg abstellen und die verbleibenden 500 bis 800 Meter zu Fuß bewältigen. Die Wege können nach Trockenperioden sehr staubig sein.

4. Plaža Kanegra bei Savudrija

Ganz im Norden, in Sichtweite der slowenischen Grenze, versteckt sich der Strand Kanegra. Trotz der Nähe zu einem traditionsreichen FKK-Campingplatz strahlt dieser Ort eine angenehme Ruhe aus. Der feine Kieselstrand fällt flach ab und wird von dichten Pinien gesäumt, die fast den ganzen Tag über natürlichen Schatten spenden. Besonders Familien schätzen die Lagune, in der man weite Strecken im nur kniehohen Wasser zurücklegen kann.

Die abgeschiedene Lage am Ende einer Halbinsel, zehn Kilometer von Umag entfernt, sorgt dafür, dass sich nur wenige Tagestouristen hierher verirren. Wer die Einsamkeit sucht, wandert entlang der Küste in Richtung der slowenischen Grenze zu den felsigen Abschnitten. Bei niedrigem Wasserstand lässt sich die Mündung der Dragonja fast zu Fuß überqueren, doch mangels offizieller Grenzstation ist dies kein regulärer Übergang. Zwischen April und September sorgen Rettungsschwimmer für Sicherheit am Hauptstrand.

Parken und Kosten: Der Parkplatz befindet sich etwa 500 Meter vom Strand entfernt und ist gebührenpflichtig. Ein Hinweis für die Reisekasse: Ab 15 Uhr entfällt die Parkgebühr, was den Strand ideal für einen entspannten späten Nachmittag macht.

5. Uvala Mala Kolombarica (Südspitze Kap Kamenjak)

Mala Kolombarica markiert den geografisch südlichsten Punkt Istriens und liegt direkt unterhalb der skurrilen Safari Bar. Die Bucht ist berühmt für ihre Klippen und die spektakuläre Kolombarica-Höhle. Wer mit Taucherbrille die Höhle erkundet, kann mit viel Glück eine der seltenen Mittelmeer-Mönchsrobben entdecken, die hier gelegentlich Zuflucht suchen. Der Zugang zur Höhle ist jedoch nur bei absolut ruhiger See sicher.

Vorsicht ist beim Springen geboten: Obwohl die Klippen hoch aufragen, ist das Wasser an den meisten Stellen nur 2 Meter tief. Lediglich an einer schmalen Felsspalte an der Nordwand werden 4 Meter Tiefe erreicht. Ohne genaue Ortskenntnis sollte man auf Klippensprünge verzichten. Die flachen Felsplateaus bieten jedoch hervorragende Liegeflächen, die vor allem vor 10 Uhr morgens und nach 18 Uhr eine meditative Stille ausstrahlen. Der Blick schweift von hier aus zur Insel Fenoliga und zum markanten Leuchtturm Porer, wobei man aufgrund der starken Strömungen keinesfalls versuchen sollte, diese schwimmend zu erreichen.

Wer das Kap Kamenjak auch von seiner zugänglicheren Seite kennenlernen will, findet in den schönsten Stränden im Süden Istriens eine gute Ergänzung.

6. Plaža Kap Guštinja bei Bale

Südlich von Rovinj liegt mit Kap Guštinja ein echter Geheimtipp, der auf kaum einer touristischen Karte verzeichnet ist. Dieser felsige Küstenabschnitt ist nur über einen 15 bis 20-minütigen Fußmarsch durch Olivenhaine und Wacholdergestrüpp erreichbar. Diese Hürde sorgt dafür, dass man hier selbst im Hochsommer die absolute Ruhe genießen kann. Sie verbringen den Tag hier völlig fernab von jeglicher Infrastruktur wie Bars oder Duschen.

Das Wasser ist tief und von außergewöhnlicher Klarheit, was den Strand zu einem Paradies für Schwimmer und Schnorchler macht, während er für kleine Kinder weniger geeignet ist. Hier existieren Textil- und FKK-Urlauber harmonisch nebeneinander. Wer seinen Hund mitbringt, sollte diesen über die Felsen tragen, da sich der Stein in der Sonne extrem aufheizen kann. Da es vor Ort keinerlei Versorgung oder Mobilfunkempfang gibt, ist eine Ausrüstung mit ausreichend Wasser (mindestens 2 Liter pro Person) und Sonnenschutz zwingend erforderlich.

Parken: Die beste Strategie ist es, das Auto an der Cisterna-Bucht zu parken. Von der Cisterna-Bucht aus führt ein Küsten- und Waldweg weiter südlich direkt zum Kap Guštinja.

7. Uvala Polje am Kap Kamenjak

Die Uvala Polje wird oft ignoriert, da sie auf den ersten Blick wie ein kleiner Fischerhafen wirkt. Doch genau diese Authentizität mit den alten Holzbooten und den einfachen Hütten macht ihren Charme aus. Während auf der einen Seite die Fischer arbeiten, bietet die andere Seite einen schmalen Kiesstrand unter schattigen Kiefern. Wer Hunger hat, sollte den etwa 50 Meter oberhalb gelegenen istrischen Bauernhof aufsuchen. In dieser versteckten Konoba wird hausgemachter Wein für etwa 1,50 Euro pro Glas serviert, und eine traditionelle Platte mit Pršut und Käse ist für unter 12 Euro zu haben.

Die Bucht ist etwa 2,5 Kilometer vom Eingang Premantura entfernt und verfügt über einen kleinen Parkplatz am Hang. Besonders attraktiv ist Polje am Vormittag, da die Ostküste die ersten Sonnenstunden des Tages einfängt, während sie ab dem Mittag im Schatten liegt. Die Unterschiede zwischen den Küstenseiten des Kaps sind markant:

Seite des Kaps Charakter Wind & Wellen Sonne
Westseite (Pinižule, Njive, Radovica) spektakuläres Türkis, mehr Klippen offen zur Adria, Maestral am Nachmittag Sonnenuntergang über dem Meer
Ostseite (Polje, Debeljak, Školjić) geschützter, oft sandiger Meeresgrund ruhigeres Wasser, geschützt vor Westwind Vormittagssonne, ab Mittag Schatten möglich
Südspitze (Kolombarica) hohe Klippen, Höhlen, tiefes Wasser exponiert, bei Bora gefährlich ganztägig sonnig, kein Schatten

Ein wichtiger Faktor für die Sicherheit ist der Fallwind Bora. Dieser kann selbst im Sommer mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h auftreten. In extremen Fällen wurden in Rovinj sogar Spitzenwerte von 110 km/h gemessen. Das Wetter kann innerhalb von 30 Minuten umschlagen, wobei Sonnenschirme gefährlich werden können. Die Westküste bietet in solchen Fällen deutlich besseren Schutz als die exponierte Ostseite oder das offene Kap.

Wer die Ruhe dieser Buchten in der Vor- oder Nachsaison genießen möchte, findet das passende Ferienhaus in Istrien direkt an der Küste.