Darf man in Istrien Muscheln sammeln?
Sie spazieren am Strand von Rovinj oder Umag, sehen eine schöne Muschelschale im Sand und fragen sich: Darf ich diese einfach mitnehmen? Und was ist mit den Muscheln, die noch im Meer liegen, wenn Sie beim Schnorcheln vor Poreč welche entdecken?
Leere Muschelschalen, die am Strand liegen, dürfen Sie in Istrien in kleinen Mengen für den privaten Gebrauch mitnehmen. Sobald Sie lebende Muscheln aus dem Meer sammeln wollen, brauchen Sie eine kroatische Freizeitfischerei-Lizenz, dürfen pro Tag maximal 2 kg sammeln (5 kg bei Miesmuscheln) und müssen geschützte Arten wie die Edle Steckmuschel zwingend in Ruhe lassen.
Besonders heikel wird es bei einer bestimmten großen Muschel, die in flachen Buchten Istriens vorkommt: Ein deutsches Pärchen wurde wegen einer solchen Muschel bereits mit einer fünfstelligen Strafe konfrontiert.

Leere Muschelschalen am Strand: Was wirklich erlaubt ist
Wenn das Meer Muschelschalen, Schneckenhäuser oder kleine Steine an den Strand spült, gilt in Kroatien wie in den meisten EU-Ländern: Kleine Mengen für den privaten Gebrauch sind unproblematisch. Ein paar hübsche Schalen für die Vitrine oder ein Schneckenhaus als Erinnerung an Ihren Urlaub in Novigrad einzustecken, ist nicht strafbar. Voraussetzung ist, dass Sie wirklich nur leere Gehäuse einsammeln, in denen sich also keine Tiere mehr befinden.
Wichtig ist dabei die Größenordnung. Ein kleiner, gefüllter Eimer gilt als privat, eine ganze Tüte voll, die offensichtlich für den Souvenirverkauf oder den Garten zu Hause gedacht ist, fällt nicht mehr unter den Eigenbedarf. Der kroatische Zoll und die Grenzkontrollen, vor allem an den Übergängen Plovanija und Kaštel von und nach Slowenien, achten gezielt darauf, ob Reisende ungewöhnliche Mengen oder geschützte Arten dabeihaben.
Es gibt jedoch zwei wichtige Einschränkungen. Erstens: An manchen Stränden in Istrien ist das Entfernen von Strandgut durch Hinweisschilder eingeschränkt, etwa in Naturschutzzonen rund um das Kap Kamenjak südlich von Pula oder an Küstenabschnitten, die als natürlicher Erosionsschutz dienen. Zweitens: Selbst wenn die Muschelschale leer aussieht, kann es sich um das Gehäuse einer geschützten Art handeln. Diese dürfen Sie auch im toten Zustand nicht mitnehmen.
Lebende Muscheln sammeln: Lizenz, Mengen, Grenzen
Sobald Sie lebende Muscheln aus dem Meer holen, vom Felsen abkratzen oder vom Sandboden auflesen, gilt dies in Kroatien als Freizeitfischerei. Dafür brauchen Sie eine Lizenz, unabhängig davon, ob Sie vom Ufer aus oder vom Boot aus sammeln. Diese Regel überrascht viele Urlauber, gilt aber strikt.
Die Lizenz heißt offiziell „Dozvola za rekreacijski ribolov" und kostet derzeit etwa 8 Euro für einen Tag, rund 20 Euro für drei Tage sowie ungefähr 40 Euro für sieben Tage. Sie erwerben diese online über die Website des Ministeriums für Landwirtschaft und Fischerei, über den Kroatischen Sportfischerverband HSSRM oder bei autorisierten Verkaufsstellen wie ACI-Marinas, einigen Tourismusbüros und örtlichen Angelvereinen. Nach dem Kauf erhalten Sie ein PDF-Dokument mit einer Seriennummer per E-Mail, das Sie beim Sammeln zusammen mit einem Ausweis dabeihaben müssen. Ein Ausdruck ist nicht nötig: Das PDF-Dokument auf dem Smartphone gilt bei Kontrollen als gültiger Nachweis. Manche Anbieter stellen die Lizenz erst am nächsten Werktag aus, was Sie einplanen sollten, wenn Sie bereits am nächsten Morgen früh ins Wasser gehen wollen.
Die Tagesfangmenge ist dabei klar geregelt. Insgesamt dürfen Sie maximal 5 kg Meeresorganismen pro Tag mitnehmen. Davon dürfen lebende Muscheln höchstens 2 kg ausmachen, mit einer Ausnahme: Miesmuscheln sind bis zu 5 kg erlaubt, nutzen dann aber das gesamte Tageslimit auf. Wer 5 kg Miesmuscheln sammelt, darf an diesem Tag keine weiteren Meeresorganismen mehr entnehmen. Wer an mehreren lizenzpflichtigen Tagen sammelt, darf die Mengen nicht aufaddieren und auf einmal mitnehmen, da die Tagesgrenze pro Tag und nicht pro Lizenz gilt.
Zusätzlich gelten gesetzliche Mindestgrößen: Miesmuscheln mindestens 5 cm, Jakobsmuscheln mindestens 10 cm Durchmesser, Archenmuscheln (Kunjke) mindestens 5 cm. Zu kleine Exemplare müssen sofort zurückgesetzt werden.
Die Freizeitlizenz erlaubt das Sammeln ausschließlich von Hand oder mit Maske und Schnorchel. Gerätetauchen mit Pressluftflasche sowie mechanische Hilfsmittel wie Rechen oder Schaufeln sind verboten.
Wer ohne gültige Lizenz beim Muschelsammeln erwischt wird, riskiert eine Geldstrafe von bis zu 500 Euro sowie die Beschlagnahme des Fangs. Die Fischereiaufsicht patrouilliert regelmäßig, besonders in den Buchten rund um Rovinj, Pula und Poreč.
Es gibt zudem Zonen, in denen das Sammeln auch mit einer Lizenz tabu ist. Dazu gehören:
- Badestrände während der Saison vom 1. Mai bis 1. Oktober
- Häfen und Hafenbecken
- Gebiete, in denen Marikultur betrieben wird (Muschelzuchten, etwa in der Bucht von Lim nördlich von Rovinj oder an der Mirna-Mündung bei Novigrad)
- Naturparks und Nationalparks, in Istrien betrifft das den Nationalpark Brijuni
- Sonderschutzgebiete laut Naturschutzgesetz
Wer legal sammeln möchte, ist an abgelegenen Felsküsten fernab der Badestrände am besten aufgehoben. Wo die ruhigsten davon liegen, zeigen die einsamsten Strände in Istrien.
Kinder unter 14 Jahren dürfen zwar mit einer einzelnen Schnur ohne Lizenz angeln, dies gilt jedoch nicht automatisch für das gezielte Muschelsammeln. Wer hier unsicher ist, fragt am besten in der örtlichen Touristeninformation nach, etwa bei der Turistička zajednica in Poreč oder Pula.
Geschützte Arten: Wo der Spaß teuer endet
Der mit Abstand häufigste Fall, bei dem Urlauber in Istrien in echte Schwierigkeiten geraten, betrifft die Edle Steckmuschel (Pinna nobilis), auf Kroatisch „periska". Sie ist die größte Muschel des Mittelmeers, wird bis zu 1,20 Meter hoch und steht seit vielen Jahren streng unter Schutz. Sie steht außerdem in Anhang IV der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und ist auf der Roten Liste der IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuft, seit ein Parasit vor einigen Jahren fast den gesamten Bestand in der Adria ausgelöscht hat.
Woran Sie die Edle Steckmuschel unter Wasser erkennen: Die Schale ist dreieckig bis fächerförmig, braun bis beige, und steckt mit der spitzen Seite aufrecht im Sandboden, oft zwischen Seegraswiesen. Selbst ein halbausgewachsenes Exemplar von 30 bis 40 cm ist ungewöhnlich groß für eine Muschel, die Sie am Meeresgrund finden. Wenn Sie beim Schnorcheln auf etwas stoßen, das aufrecht aus dem Sand ragt und größer als Ihre Hand ist: Finger weg, betrachten Sie es nur von oben.
Konkret heißt das: Sie dürfen die Edle Steckmuschel nicht aus dem Sand ziehen, nicht anfassen, nicht stören und auch keine leere Schale mitnehmen. Selbst tote Exemplare oder Schalenfragmente fallen unter dieses Verbot. Die Strafen reichen von etwa 1.000 bis 4.000 Euro für Privatpersonen und fallen bei einer vorsätzlichen kommerziellen Entnahme sogar deutlich höher aus. Ein bekannter Fall ereignete sich in der Zelena Laguna bei Poreč: Touristen zogen eine Steckmuschel aus dem Wasser, wurden gefilmt und sahen sich mit angedrohten Strafen von bis zu 26.000 Euro konfrontiert. Bei einem Österreicher, der bei Umag neun Exemplare im Auto hatte, kam es zu einer Anzeige am Grenzübergang.
Falls Sie eine Steckmuschel versehentlich berührt haben: Lassen Sie sie sofort los und entfernen Sie sich. Eine Anzeige erstattet die Fischereiaufsicht in der Regel dann, wenn jemand das Tier aus dem Wasser entnimmt oder transportiert, nicht bei einem offensichtlichen Irrtum.
Genauso streng geschützt ist die Dattelmuschel (Lithophaga lithophaga), auf Kroatisch „prstac". Diese Muschel bohrt sich in Felsen, und ihre Ernte ist nur möglich, wenn man das Gestein zerschlägt, was ganze Küstenabschnitte zerstört. Sie ist deshalb in Kroatien bereits seit Jahrzehnten verboten, was sowohl für das Sammeln als auch für den Verzehr in Restaurants gilt. Wenn Sie also in Istrien an der Küste irgendwo auf einer Speisekarte „prstaci" sehen oder Ihnen am Strand jemand welche zum Kauf anbietet, lassen Sie die Finger davon, denn das ist Schwarzmarktware.
Generell gilt: Seesterne, Seeigel und Korallen sind ebenfalls tabu, selbst wenn sie tot oder ausgespült wirken. Mehrere Arten stehen unter Artenschutz, und am Strand sind diese ohnehin schwer zu unterscheiden.
Wenn Sie Muscheln einfach nur essen wollen
Viele Urlauber, die nach „Muscheln sammeln in Istrien" suchen, wollen eigentlich Muscheln auf dem Teller, keine Schalen im Souvenirregal. Dafür wird keine Lizenz benötigt, da Sie die Muscheln nicht selbst sammeln müssen. In Istrien gibt es etwa zehn lizenzierte Muschelzuchtfarmen, die meisten davon in der Bucht von Lim nördlich von Rovinj und an der Mirna-Mündung bei Novigrad. Dort werden vor allem Miesmuscheln und Austern gezüchtet, deren Qualität vom kroatischen Veterinäramt regelmäßig überprüft wird.
Auf den Speisekarten in Istrien finden Sie häufig:
- Dagnje oder mušule: Miesmuscheln, oft „na buzaru" zubereitet, also in Weißwein, Knoblauch und Petersilie
- Kamenice: Austern, vor allem an der Mirna-Mündung bei Novigrad eine Spezialität
- Jakobsmuscheln: hier „kapesante" genannt, besonders im Februar und März in Saison
- Kunjke: Archenmuscheln, eine istrische Spezialität, die roh gegessen werden kann
Die offiziellen „Muscheltage" finden in vielen Restaurants im Nordwesten Istriens im Februar und März statt, wenn die Tiere am besten schmecken. Wer also lieber genießen als suchen möchte, kommt zu dieser Zeit voll auf seine Kosten. Wer die Muschelzuchtbuchten oder Strandabschnitte direkt vor der Haustür haben möchte, findet in einem Ferienhaus in Istrien eine gute Ausgangsbasis für solche Ausflüge.
Fragen und Antworten
Darf ich leere Muschelschalen vom Strand mit nach Deutschland nehmen?
Ja, in kleinen Mengen für den privaten Gebrauch ist dies unproblematisch, sowohl beim Verlassen Kroatiens als auch bei der Einreise nach Deutschland. Achten Sie darauf, dass Sie keine geschützten Arten dabeihaben, vor allem keine Bruchstücke der Edlen Steckmuschel. Bei größeren Mengen oder auffällig aussehenden Exemplaren kann der Zoll Sie auffordern, die Schalen vorzuzeigen. Korallen, Seesterne und Seeigel sollten Sie grundsätzlich nicht einpacken, auch nicht in totem Zustand.
Was passiert, wenn ich beim Schnorcheln eine schöne lebende Muschel finde?
Lassen Sie diese liegen, es sei denn, Sie besitzen eine gültige Freizeitfischerei-Lizenz und sind sicher, dass es sich nicht um eine geschützte Art handelt. Ohne Lizenz gilt das Entnehmen lebender Muscheln als Wilderei und kann mit Bußgeldern geahndet werden. Bei der Edlen Steckmuschel, die in Istrien immer wieder am sandigen Meeresboden zwischen 2 und 30 Metern Tiefe vorkommt und mit ihrer aufrechten, fächerförmigen Schale leicht zu erkennen ist, drohen Strafen ab 1.000 Euro aufwärts.
Brauche ich auch für ein Kind, das am Strand Muscheln sammelt, eine Lizenz?
Für leere Muschelschalen am Strand benötigt niemand eine Lizenz. Sobald aber jemand lebende Muscheln aus dem Wasser holt, gilt dies als Freizeitfischerei, auch für Kinder. Für Kinder unter 14 Jahren gibt es keine gesetzliche Ausnahme beim Sammeln lebender Muscheln. Ohne Lizenz ist das Entnehmen lebender Tiere tabu.
Kann ich die Lizenz spontan vor Ort kaufen oder muss ich das vorher planen?
Sie können beides tun. Online über die offizielle Ministeriumsseite (ribarstvo.mps.hr) oder den Anglerverband HSSRM (hssrm.hr) klappt dies in wenigen Minuten, wobei manche Anbieter die Lizenz allerdings erst am Folgetag ausstellen. Vor Ort erhalten Sie Tageslizenzen in vielen ACI-Marinas (etwa in Umag, Rovinj, Pula), bei einigen Tourismusbüros und in Geschäften für Angelbedarf. Den Personalausweis oder Reisepass müssen Sie dabei immer mitführen, sowohl beim Kauf als auch beim Sammeln selbst.