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Die 8 ruhigsten Orte in Istrien

Die Hitze flimmert über dem Pflaster von Rovinj, und in den Gassen von Poreč schiebt sich die Menge im Schneckentempo vorwärts. Wer Istrien im Hochsommer erlebt hat, sehnt sich beim nächsten Ausflug meist nur nach einem: Stille. Nach leeren Gassen, einem schattigen Kirchplatz, auf dem höchstens Schwalben Lärm machen, und einem Tisch in der Konoba, auf den Sie nicht warten müssen. Manche dieser Rückzugsorte verstecken sich tief im grünen Hinterland der Halbinsel, andere liegen an Buchten, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Jeder einzelne taugt als Tagesziel fernab des touristischen Gedränges.

Istrischer Hügelort mit mittelalterlicher Altstadt

1. Hum, die kleinste Stadt der Welt

Mit genau 52 gemeldeten Einwohnern (Zensus 2021), darunter zwölf Kinder, passt Hum fast vollständig in den Ring seiner mittelalterlichen Wehrmauer. Zwei Gassen, eine Kirche, eine Konoba – mehr braucht die kleinste Stadt der Welt nicht. Schon 1102 tauchte der Ort als Castrum Cholm in den Urkunden auf, und der heutige Grundriss bewahrt noch immer die Struktur des 11. Jahrhunderts.

Doch Hum ist weit mehr als ein erstarrtes Museumsdorf. Einmal im Jahr lebt hier eine alte Tradition auf: die Bürgermeister-Wahl auf Glagolitisch, bei der die Bewohner ihre Stimme tatsächlich noch in einen Holzstab ritzen. Zudem ist das Städtchen die unangefochtene Heimat der Biska. Das Rezept für diesen starken Brandy aus Eichenmistel und vier Kräutern soll über tausend Jahre alt sein und wurde einst von einem örtlichen Priester für die Nachwelt aufgeschrieben. Wenn Sie in der Humska Konoba einkehren, bestellen Sie am besten ein Glas davon zur deftigen Maneštra-Suppe.

Ein offenes Geheimnis: Trotz seiner winzigen Ausmaße steht Hum im Sommer regelmäßig auf dem Ausflugsplan von Kreuzfahrtgästen aus Venedig und Triest. Wer die viel zitierte Stille sucht, kommt daher am besten zwischen Oktober und April oder an einem Werktag noch vor 10 Uhr morgens. Lassen Sie Ihr Auto auf dem Parkplatz unten am Hügel stehen. Der Aufstieg dauert nur gut fünf Minuten zu Fuß, und innerhalb der Stadtmauern stört kein einziger Motor die Ruhe.

2. Roč, der ruhige Bruder von Hum

Nur sieben Kilometer westlich von Hum liegt Roč auf seinem Hügel. Mit fünf intakten Türmen, drei massiven Stadttoren und etwa 140 Einwohnern ist das befestigte Dörfchen im Grunde das, was Hum einmal war: ein Ort praktisch ohne Tagestouristen. Die meisten Ausflügler drehen nach Hum wieder um – und genau das ist das große Glück für Roč.

Verbunden sind die beiden Orte durch die Aleja Glagoljaša. Diese knapp sieben Kilometer lange Glagolitische Allee dient als Lehrpfad im Freien. Die elf wuchtigen Steinskulpturen, die der Bildhauer Željimir Janeš und der Literaturwissenschaftler Josip Bratulić zwischen 1977 und 1985 entwarfen, ehren die alte slawische Schrift Glagolica, die hier bis ins frühe 19. Jahrhundert zum Alltag gehörte. Sie können die gesamte Strecke in rund zwei Stunden erwandern oder einfach mit dem Auto von Station zu Station rollen.

In Roč selbst vergeht die Zeit langsam, es sei denn, Sie geraten zufällig in das Internationale Treffen der diatonischen Akkordeon-Spieler am zweiten Sonntag im Mai. An jedem anderen Wochenende im Jahr haben Sie die Gassen und die mittelalterlichen Inschriften an der Bartholomäus-Kirche fast ganz für sich allein. Das schont übrigens auch die Reisekasse: In der alteingesessenen Ročka Konoba zahlen Sie für einen Teller Fuži-Nudeln mit frischen Trüffeln nur etwa die Hälfte der Preise, die wenige Kilometer weiter in Motovun aufgerufen werden.

3. Draguć, das Hollywood Istriens

In der Filmwelt hat Draguć längst Legendenstatus. Über 40 Jahre lang reisten kroatische und internationale Filmcrews in das winzige Dorf, um historische Mittelalterstoffe oder Western vor der originalen Steinkulisse zu drehen. Die Einheimischen lächeln heute oft über ihr „istrisches Hollywood". Im Alltag spüren Sie von diesem Glamour wenig: Wenn Sie tagsüber durch die Gassen schlendern, kreuzen meist nur Katzen Ihren Weg, da ein Großteil der rund 70 Einwohner zur Arbeit ins Umland pendelt.

Der wahre Schatz des Ortes verbirgt sich ohnehin nicht auf der Leinwand, sondern in Form von Fresken in zwei kleinen Kirchen. Etwas außerhalb der Stadtmauer steht die Kirche des heiligen Rok, die einen umfangreichen Wandmalerei-Zyklus birgt. Meister Antonius aus dem istrischen Padova schuf hier 1529 und 1537 farbintensive Szenen von der Verkündigung über die Anbetung der Heiligen Drei Könige bis zur Taufe Christi. Noch tiefer in die Geschichte reicht die ältere Kirche des heiligen Elisäus, deren Fresken aus dem 12. und 13. Jahrhundert erst im 20. Jahrhundert aufwendig wieder freigelegt wurden.

Wer diese Kunstwerke sehen will, muss ein wenig Vorarbeit leisten. Beide Kirchen öffnen ihre Türen nur auf Anfrage. Den Schlüssel bekommen Sie nach vorheriger Absprache im Tourismusbüro in Pazin oder direkt bei der Kustodin vor Ort – ihre Telefonnummer hängt direkt am Eingang. Doch selbst wenn Sie spontan vorbeikommen und vor verschlossenen Türen stehen: Allein der markante Glockenturm und der weite Blick über das zentrale istrische Hügelland sind den landschaftlich reizvollen Umweg wert.

4. Beram und der Totentanz

Fährt man durch Beram nahe Pazin, sieht man zunächst ein gewöhnliches Straßendorf mit rund 200 Einwohnern. Das eigentliche Ziel liegt gut einen Kilometer außerhalb auf einem bewaldeten Friedhofshügel. Dort steht die kleine gotische Kirche Sveta Marija na Škriljinah – übersetzt „Heilige Maria auf den Steinplatten".

Was sich im Inneren verbirgt, gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken des istrischen Mittelalters. Der Meister Vinzenz von Kastav vollendete diesen Freskenzyklus im Jahr 1474, was er selbst durch eine lateinische Inschrift über der südlichen Seitentür dokumentierte. Auf rund 75 Quadratmetern bemalter Wandfläche entdecken Sie 38 komplexe figürliche Kompositionen, umrahmt von acht kleineren Bildern, Wappen, detailreichen Pflanzenornamenten und dem Schweißtuch der Veronika.

Ein Motiv dominiert den Raum: der Totentanz an der Westwand. Unter dem Eindruck einer überstandenen Pestwelle geschaffen, gehört das Wandbild zu den ältesten seiner Art in ganz Mitteleuropa. Ein grinsender Tod spielt auf dem Dudelsack und führt einen Reigen an, in den sich Papst und Kardinal ebenso einreihen müssen wie König, Königin, ein Wirt, ein kleines Kind und ein Bettler. Ein Kaufmann versucht noch in letzter Sekunde, sein Leben mit einer Münze freizukaufen – vergeblich. Wie oft in Istrien gilt auch hier: Rufen Sie unbedingt vorab die Nummer des Schlüsselverwalters an, die auf einer kleinen Tafel am Friedhofstor steht. Sonst bleibt Ihnen der Anblick des Totentanzes verwehrt.

5. Oprtalj, die Aussicht ohne den Trubel

Wer in Motovun versucht, durch die engen Gassen zu navigieren, trifft im Hochsommer unausweichlich auf geführte Reisegruppen. Die Alternative liegt genau gegenüber auf dem nächsten Hügelkamm: Das 380 Meter hoch gelegene Oprtalj wirkt selbst in der Hochsaison herrlich ruhig. Zwar zählt die Gemeinde mit all ihren verstreuten Weilern rund 750 Einwohner, doch in den alten Steinhäusern des historischen Kerns leben deutlich weniger Menschen.

Der beste Aussichtspunkt des Dorfes ist die gut erhaltene Loggia aus dem 16. Jahrhundert. Von hier aus reicht der Blick über das Grün des Mirnatals hinunter zum Stausee Butoniga und an klaren Tagen sogar bis zur Adria. Während sich in Motovun die Menschen an den Aussichtspunkten drängen, stehen Sie hier meist ungestört an der Brüstung. Danach reicht ein 20-minütiger Spaziergang, um die Pfarrkirche Sankt Georg, die kleine Sankt-Maria-Kirche mit ihren Fresken aus dem 15. Jahrhundert und die Reste der alten Stadtmauer abzulaufen.

Oprtalj ist auch ein bekannter Trüffel-Standort – jedoch in der Regel ohne den Preisaufschlag der benachbarten Orte Motovun oder Livade. Auf der Terrasse der Konoba Šterna können Sie handgemachte Fuži, Pljukanci oder ein einfaches Omelett mit frischen Sommertrüffeln zu Preisen bestellen, die sich am lokalen Niveau orientieren. Zur Trüffelsuche in Istrien: Machen Sie sich keine falschen Vorstellungen von Trüffelschweinen. Seit den 1980er Jahren graben in ganz Istrien ausschließlich trainierte Hunde nach dem Pilz, da Schweine die Knolle beim Ausbuddeln oft beschädigt haben.

6. Bale, das Dorf, das sich selbst gehört

Nur 13 Kilometer südlich von Rovinj liegt Bale, auf Italienisch Valle, und bleibt von vielen Tagesausflüglern unbemerkt. Sie betreten die Altstadt durch das gotische Tor des Palazzo Soardo-Bembo. Dahinter liegt ein enges Labyrinth aus Steinhäusern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, das direkt zum gotisch-renaissancezeitlichen Palast Soardo-Bembo am Hauptplatz führt.

Was Bale jedoch von anderen Dörfern Istriens abhebt, ist sein Wirtschaftsmodell. Das große Camping-Resort Mon Perin an der Küste gehört keinem fernen Großinvestor, sondern über 900 Kleinaktionären. Das sind größtenteils Bewohner und „Bale-Freunde". Das Prinzip ist einfach: Etwa 20 Prozent der Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft fließen direkt in den Gemeindehaushalt zurück. Mit diesem Geld finanziert das Dorf heute kostenfreie Kita-Plätze, warme Mahlzeiten für Schulkinder, Studenten-Stipendien und einen kleinen Panoramazug, der gratis an der Küste entlangfährt. Seit 2022 ist die Aktie offiziell an der Börse in Zagreb gelistet.

Als Besucher sehen Sie die Auswirkungen dieses Modells sofort. Die rund neun Kilometer Küstenstreifen mit zwei Buchten und vier Stränden sind dezent bebaut und gepflegt, statt eng mit Hotelanlagen verdichtet zu sein. Wenn Sie in der Bucht Colone ins Wasser steigen, befinden Sie sich in prähistorischem Revier. Seit 1992 haben Forscher hier Knochen von mindestens zehn verschiedenen Dinosaurierarten aus dem Fels geborgen, darunter den Histriasaurus, einen der ältesten bekannten Vertreter seiner Sauropoden-Familie. Ein Paleo-Park auf dem Campingplatz dokumentiert diese Geschichte, und Schnorchler können einige der maritimen Fundstellen direkt vom flachen Strand aus erreichen.

7. Kotli, das Mühlendorf am Fluss

Streng genommen ist Kotli kein Dorf, sondern ein verlassener Weiler aus alten Steinhäusern am Oberlauf des Flusses Mirna, nur drei Kilometer Luftlinie von Hum entfernt. Seinen Namen verdankt der Ort den kesselartigen Auswaschungen im Karstfels, die das strömende Wasser über Jahrhunderte in den Stein geschliffen hat – „Kotl" bedeutet auf Kroatisch schlicht Kessel.

Bis ins frühe 20. Jahrhundert herrschte hier ein reges Treiben. Müller und Schneider nutzten die beständige Wasserkraft der Mirna zum Mahlen des Getreides und zum Tuchwalken. Mit dem Einzug von Strom und Industrialisierung schlossen die Mühlen, junge Menschen zogen weg, und das Tal verwaiste. Heute stehen die Ruinen unter Denkmalschutz, einige Häuser wurden restauriert, und ein Lokal versorgt Ausflügler mit Getränken und kleinen Speisen. An heißen Sommertagen bietet es sich an, direkt in die natürlichen Felsbecken zu steigen – das Wasser der Mirna bleibt selbst im August kühl.

Für Wanderer markiert Kotli einen Höhepunkt des 13,5 Kilometer langen Weges der sieben Wasserfälle, der von Buzet aus entlang der Mirna durch Selca, Glistonija und Kuhari führt. Autofahrer steuern den Ort direkt an und parken am Wendekreis oberhalb des Weilers. Wichtig für die Planung: Die Wasserstände des Flusses schwanken stark. Nach langen, trockenen Sommern schrumpfen die Wasserfälle zu schmalen Rinnsalen. Nach feuchten Wintern hingegen fließt das Wasser so stark durch die Schluchten, dass Sie kaum trockenen Fußes vorankommen. Wer volle Becken sucht, plant seinen Besuch am besten für die Zeit zwischen April und Juni.

8. Plomin über der Kvarner-Bucht

Im ruhigen Osten Istriens, abseits der Touristenströme der Westküste, liegt Plomin auf einem steilen, 80 Meter hohen Felssporn. Darunter reicht das Wasser der Kvarner-Bucht weit ins Land. In den Gassen des historischen Ortskerns leben heute kaum 100 Menschen. Von der Kante des Felsens überblicken Sie die gesamte Bucht und können an klaren Tagen bis zu den Inseln Cres und Lošinj sehen.

Die Sankt-Georgs-Kirche aus dem 11. Jahrhundert mit ihrem 15 Meter hohen romanischen Glockenturm beherbergt die wichtigste Reliquie des Ortes: die Plominer Inschrift. In diese Steinplatte, die das Relief des illyrisch-römischen Gottes Silvanus zeigt, ritzte jemand nachträglich glagolitische Buchstaben. Forscher datieren dieses steinerne Zeugnis ins 11. Jahrhundert, möglicherweise sogar bis ins 10. Jahrhundert zurück, womit Plomin kulturhistorisch einen ähnlichen Stellenwert einnimmt wie die berühmte Tafel von Baška.

Zum Gesamtbild von Plomin gehört jedoch eine Einschränkung, über die vor Ort selten gesprochen wird: Direkt in der Bucht arbeitet das Wärmekraftwerk Plomin. Der Schornstein dieses Kohlekraftwerks ragt unübersehbar ins Küstenpanorama. Wenn Sie eine reine Postkartenidylle suchen, ist dies nicht der richtige Ort. Wenn Sie diesen Kontrast zwischen mittelalterlichem Bergdorf und industrieller Anlage jedoch akzeptieren, erleben Sie mit Plomin einen Ort, der in der Regel komplett ohne Reisebusse auskommt. Und die Bar am Hauptplatz öffnet ihre Türen ohne feste Zeiten. Auch das prägt die Atmosphäre des Ortes.

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