Die 8 schönsten Städte in Istrien
Wenn Sie nach Istrien reisen, betreten Sie eigentlich zwei völlig unterschiedliche Welten. Die schönsten Städte in Istrien schmiegen sich einerseits an die venezianisch geprägte Westküste, wo sich uralte Altstädte auf malerischen Halbinseln ins Meer drängen. Andererseits lockt das hügelige Hinterland mit massiv befestigten Höhendörfern, die auf 277 bis 349 Metern über den Tälern thronen. Hier finden Sie acht faszinierende Orte, die jede Anreise wert sind – inklusive vieler Fakten zu Eintrittspreisen, der teils nervenaufreibenden Parkrealität und den unvermeidlichen Schattenseiten, die Sie für Ihren Trip in der Hochsaison unbedingt auf dem Schirm haben sollten.
Wer die schönsten Städte auf eigene Faust erkunden möchte, ist mit einem Ferienhaus in Istrien als Quartier gut aufgestellt: flexibel, zentral und ohne feste Restaurantzwänge.

1. Rovinj
Rovinj ist die unangefochtene Königin der istrischen Fotomotive. Was heute eine Halbinsel ist, war bis 1763 komplett vom Wasser umschlossen, bevor man den Kanal zum Festland kurzerhand auffüllte. Die räumlichen Relationen sind hier extrem: In der Gemeinde leben rund 13.000 Menschen, doch an Spitzentagen in der Hochsaison schieben sich zahlreiche Tagesgäste durch exakt dieselben, engen Gassen.
Wenn Sie den Hafen hinter sich lassen, führt Sie die Grisia steil nach oben. Diese von Galerien gesäumte Gasse windet sich über feine Kalksteinstufen in kleinen Serpentinen zur Kirche Sveta Eufemija hinauf. Planen Sie Ihren Besuch am dritten Sonntag im August, geraten Sie hier in eine riesige Open-Air-Ausstellung, bei der Kunstwerke direkt an den Hausfassaden hängen. Oben angekommen stehen Sie vor der 1736 fertiggestellten Kirche und ihrem markanten, frei stehenden Glockenturm. Der Bau begann 1654 nach Plänen des Mailänder Architekten Alessandro Manopola und wurde 1687 von Cristoforo Bellan vollendet, eine unübersehbare Hommage an den Campanile von San Marco in Venedig. Auf der rund 60 Meter hohen Spitze thront eine kupferne Statue der Heiligen Euphemia. Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie, dass sie sich im Wind dreht und mit dem ausgestreckten rechten Arm die Windrichtung anzeigt. Für 4 Euro können Sie den Turm besteigen – allerdings führt der Weg über eine hölzerne Treppe, die völlig ohne seitliche Sicherung auskommt. Wer unter Höhenangst leidet, sollte sich das im Vorfeld gut überlegen.
Ihr Weg in die Altstadt beginnt meist am Balbi-Bogen aus dem späten 17. Jahrhundert. Ein praktischer Ratschlag für den Besuch: Verlassen Sie im Hochsommer besser die völlig überlaufene Standardroute vom Bogen hinauf zur Kirche. Wenn Sie stattdessen links oder rechts in Gassen wie Carera, Zdenac oder Trevisol abbiegen, haben Sie die historische Kulisse plötzlich fast für sich allein.
Die größte organisatorische Herausforderung in Rovinj ist das Auto. Strandnahe Parkplätze rufen zwischen Juni und September hohe Tarife von rund 3 bis 3,50 Euro pro Stunde auf, das Tagesticket für die offenen Parkzonen liegt in der Hochsaison bei 25 Euro. Die etwas weiter entfernten Plätze Lonja und Larzola liegen 1,2 bis 1,5 Kilometer entfernt und sind im August zwischen 11 und 18 Uhr oft stark belegt. Ihre beste Chance auf einen entspannten Parkplatz und einen Altstadtbummel ohne dichte Menschenmassen (die Innenstadt ist komplett autofrei) haben Sie, wenn Sie erst nach 15 Uhr anreisen.
2. Poreč
Etwa 35 Kilometer nördlich von Rovinj liegt Poreč auf einer schmalen Halbinsel. Mit rund 16.500 Einwohnern ist die Stadt das touristische Schwergewicht der Westküste. Ihre Wurzeln sind tief römisch: Poreč war über Jahrhunderte eine Kolonie des Reiches. Bis heute laufen Sie durch ein Straßenraster, das original auf die antiken Hauptachsen Decumanus und Cardo zurückgeht.
Der unbestrittene architektonische Höhepunkt von Poreč ist die Euphrasius-Basilika. Dieser beeindruckende Komplex aus der Mitte des 6. Jahrhunderts umfasst neben der Basilika auch ein Atrium, ein Baptisterium und den Bischofspalast, allesamt erbaut unter Bischof Euphrasius um das Jahr 550. Werfen Sie unbedingt einen Blick auf die Mosaike im Apsis-Bereich. Sie zählen zu den besterhaltenen byzantinischen Wandmosaiken außerhalb von Ravenna. Die Darstellungen zeigen Maria mit dem Christuskind, umgeben von Heiligen und dem Bischof selbst, der stolz ein Modell genau dieser Kirche in der Hand hält. Zurecht nahm die UNESCO das Ensemble 1997 ins Weltkulturerbe auf. Beachten Sie die stark schwankenden Öffnungszeiten: Im Juli und August kommen Sie täglich von 9 bis 21 Uhr hinein (Eintritt 10 Euro), im Januar und Februar hingegen nur von 10 bis 16 Uhr, während das Tor samstags dann ganz geschlossen bleibt. Wer mag, kann den Glockenturm über rund 70 Stufen erklimmen.
Spazieren Sie westlich der Basilika weiter, öffnet sich der Marafor – das einstige römische Forum, dessen Name sich von "Martis Forum" ableitet. Die antike Vergangenheit ist auf diesem Platz allgegenwärtig: Sie sehen die Grundmauern des Mars-Tempels im Boden, während der Neptun-Tempel kurioserweise als Eckpfeiler in die Fassade eines späteren Wohnhauses integriert wurde. Überhaupt gleicht die Altstadt einem riesigen Puzzle der Antike: Achten Sie bei Ihrem Rundgang auf die Türschwellen, Pflaster- oder Ecksteine – oft handelt es sich dabei um zweckentfremdete antike Säulenstücke.
Die städtebauliche Idylle hat jedoch einen Preis: Nur drei Kilometer südlich wuchert der riesige Tourismuskomplex Plava und Zelena Laguna. In der Hochsaison zwingt dieser Zustrom Poreč in einen etwas anstrengenden Pauschal-Rhythmus. Warten Sie mit Ihrem Besuch jedoch bis 22 Uhr abends ab. Dann verschwinden die großen Bus-Gruppen und Sie erleben eine wunderbar ruhige, stimmungsvoll beleuchtete Stadt.
3. Pula
Ganz an der Südspitze, nur fünf Kilometer vom Flughafen entfernt, liegt Pula. Mit 52.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt der Halbinsel. Das architektonische Interesse konzentriert sich hier vor allem auf ein gigantisches Bauwerk: Die Arena Pula. Das römische Amphitheater stammt aus dem 1. Jahrhundert, wurde unter Kaiser Augustus begonnen, unter Vespasian um 79 n. Chr. erweitert und unter Kaiser Titus um das Jahr 81 n. Chr. vollendet.
Wo früher rund 23.000 Zuschauer den Gladiatoren zujubelten, sind heute aufgrund von Verwitterung und fehlenden oberen Sitzreihen noch rund 7.000 Sitzplätze und bis zu 12.500 Stehplätze nutzbar. Das Online-Ticket kostet 10 Euro. In den Sommermonaten Juni, Juli und August können Sie die Arena täglich von 8 bis 22 Uhr besichtigen, in der Nebensaison werden die Öffnungszeiten kürzer. Ein wichtiges Detail für Ihre Planung: An Konzerttagen schließt die Arena bereits um 17 Uhr für Touristen. Und große Konzerte finden in diesem Rahmen viele statt. Für die kommende Saison haben sich unter anderem Nick Cave, Sting, Moby, Lenny Kravitz, John Legend und Lorde angekündigt – Tickets dafür sind in der Regel schon ab dem Frühjahr restlos ausverkauft. Nehmen Sie sich danach Zeit für die unterirdischen Gänge. Wo einst Gladiatoren auf ihren Einsatz warteten, zeigt heute eine Dauerausstellung samt rekonstruierter Mühlen und Pressen, wie die Römer Olivenöl und Wein produzierten. Rechnen Sie für die gesamte Besichtigung etwa 90 Minuten ein.
Ein kurzer Fußweg verbindet das Amphitheater mit dem Forum Romanum. Hier steht der hervorragend erhaltene Augustus-Tempel, der zwischen 2 v. Chr. und 14 n. Chr. erbaut wurde. Gleich um die Ecke markiert der mächtige Sergierbogen, ein Triumphbogen aus den Jahren 29 bis 27 v. Chr., den eleganten Übergang in die belebte Altstadtgasse Sergijevaca. Steigen Sie anschließend hinauf zum Kastell auf dem Stadthügel. Hier finden Sie nicht nur das Historische Museum Istriens, sondern genießen von der Bastion aus auch einen weiten Blick auf den Hafen und die Werft Uljanik – eine der ältesten Werften Europas, die ihren Betrieb allerdings Ende 2019 einstellen musste.
Zur ehrlichen Einordnung gehört aber auch: Pula ist eine handfeste Hafen- und Industriestadt. Der beliebte Hawaii Beach auf der Halbinsel Verudela ist im Hochsommer massiv überlaufen, und direkt im Stadtzentrum suchen Sie vergebens nach einem badetauglichen Strand. Nach Pula kommt man primär für die wuchtige römische Architektur – zum Schwimmen fährt man besser die Riviera entlang.
4. Motovun
Wie ein massives Bollwerk aus einer vergangenen Epoche thront Motovun auf 277 Metern über dem üppigen Mirna-Tal. Der Ort ist auf drei Seiten von zwei starken Wehrmauern umschlossen. Die Volkszählung von 2021 weist für die Gemeinde nur noch 912 Einwohner aus, davon leben gerade einmal 397 direkt im historischen Ortskern. Im 19. Jahrhundert drängten sich hier noch fast 5.000 Menschen. Die Architektur erzählt von Jahrhunderten der Verteidigung: Die innere Wehrmauer wurde im 13. und 14. Jahrhundert hochgezogen, die äußere folgte im 17. Jahrhundert.
Verabschieden Sie sich von der Idee, mit dem eigenen Auto direkt vor die Tür zu fahren – die Altstadt ist für private Fahrzeuge gesperrt. Sie parken an einem von drei Plätzen am Fuß des Hügels. Von dort aus können Sie in etwa 20 Minuten hinauflaufen und passieren dabei die beiden Stadttore, wobei am äußeren Tor ein venezianischer Markuslöwe über dem Türsturz über den Eingang wacht. Alternativ nehmen Sie den Shuttle-Bus. Ein verbindlicher Fahrplan existiert dafür allerdings nicht; der Fahrer startet den Motor schlicht dann, wenn alle Plätze belegt sind.
Oben angekommen, stehen Sie auf dem Hauptplatz mit dem Stadtturm und der Pfarrkirche Sveti Stjepan. Das eigentliche architektonische Highlight ist aber der Spaziergang auf der inneren Wehrmauer. Der etwa 280 Meter lange Rundweg bietet einen unverbauten Blick auf das tief liegende Mirna-Tal. Wenn Sie im Herbst, besonders im Oktober, anreisen, können Sie morgens ein besonderes Wetterphänomen beobachten: Dichte Nebelbänke füllen das Tal, sodass die umliegenden Hügelketten wie schwebende Inseln aus einem weißen Dunstmeer ragen. Es ist ein landschaftliches Motiv, für das Fotografen regelmäßig weit vor Sonnenaufgang aufstehen.
Die Region überzeugt nicht nur optisch, sondern besitzt auch eine enorme kulinarische Bedeutung. Unten im dichten Motovuner Eichenwald gedeiht die kostbare weiße Trüffel (Tuber magnatum). Die Erntesaison läuft von Mitte September bis Ende Dezember. Lokale Sucher nehmen Sie in dieser Zeit für rund 90 Euro pro Person (oft inklusive Verkostung) mit auf eine etwa zweistündige Tour mit ihren Trüffelhunden. Ein wichtiges Detail zur Reisezeit: Das Motovun Film Festival, das hier von 1999 bis 2023 stattfand, ist 2024 als "Cinehill" in die Berge von Gorski Kotar umgezogen. Wer trotzdem auf das ursprüngliche Festivalflair hofft, sollte sich diese Verlagerung vor der Reise klarmachen.
5. Grožnjan
Nur 25 Kilometer nordwestlich von Motovun liegt Grožnjan, das sich ebenfalls auf einer Anhöhe von 228 Metern befindet. Mit rund 656 Einwohnern in der Gesamtgemeinde und lediglich rund 140 Menschen im Ortskern ist es (mit Ausnahme von Hum) die kleinste Stadt auf dieser Liste. Ihre Geschichte reicht weit zurück: 1102 wurde der Ort erstmals erwähnt, ab 1358 stand er unter venezianischer Herrschaft. Nach 1945 stand Grožnjan jedoch kurz vor dem endgültigen Verfall, als die mehrheitlich italienisch sprechende Bevölkerung in den 1950er Jahren auswanderte und die Siedlung fast zur Geisterstadt machte.
Die Rettung kam 1965 mit einem ungewöhnlichen Konzept: Die damalige Regierung bot Künstlern leerstehende, verfallene Häuser völlig kostenlos an – unter der strikten Bedingung, dass sie diese auf eigene Kosten renovierten. Der Bildhauer Aleksandar Rukavina gehörte zu den Pionieren dieses kulturellen Neuanfangs. Wer heute in knapp 15 Minuten durch den sanierten Ortskern schlendert, passiert über 20 Galerien und Ateliers. Die Galleria Fonticus, untergebracht in einem ehemaligen Kornspeicher, bildet einen Fixpunkt für zeitgenössische Kunst in Istrien.
Doch Grožnjan hat neben der bildenden Kunst auch eine ausgeprägte musikalische Identität. Die Jeunesses Musicales Croatia organisiert hier von Mai bis Oktober Meisterkurse und Festivals, die inhaltlich von klassischer Musik über Jazz bis hin zu Tanz und Theater reichen. Eine zentrale Veranstaltung ist das Jazz Is Back! BP Festival, das seit 1999 jeden Sommer stattfindet. Wenn Sie an einem sommerlichen Vormittag durch die schmalen Gassen spazieren, proben die Musiker oft bei weit geöffneten Fenstern. Das Ergebnis ist eine durchgängige Klangkulisse aus Streichern, Saxofonen und Klavierklängen, die sich über die gesamte Siedlung legt.
Dieser Kulturbetrieb unterliegt jedoch einer deutlichen Saisonalität: Ab November fällt Grožnjan in eine ausgedehnte Winterpause. Die meisten Galerien schließen in dieser Zeit, und oft bleibt die Konoba Kaya das einzige durchgehend geöffnete Lokal im gesamten Ort. Die strategisch beste Zeit für einen Besuch ist daher die zweite Maihälfte oder der September. In diesen Monaten läuft das kulturelle Programm bereits oder noch, während die großen Massen an Tagesgästen weitgehend fehlen.
6. Labin
An der Ostküste Istriens, auf einer Höhe von 320 Metern über der Bucht von Rabac, liegt Labin. Als einzige Stadt in dieser Auswahl blickt sie auf eine industrielle Vergangenheit im Bergbau zurück. Die Geschichte der Siedlung reicht bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. zurück, als die Römer hier den Stützpunkt Albona gründeten. Wenn Sie die Altstadt betreten, durchschreiten Sie das wuchtige Hauptstadttor von 1589, über dem bis heute ein in Stein gemeißelter venezianischer Markuslöwe thront.
Im historischen Zentrum steht die Marienkirche aus dem Jahr 1336, die auf den Grundmauern eines Gotteshauses aus dem 11. Jahrhundert errichtet wurde. Gleich daneben erhebt sich der Palast Battiala-Lazzarini aus dem 17. Jahrhundert, der heute das Narodni Muzej beherbergt. Die eigentliche Besonderheit dieses Museums verbirgt sich im Untergeschoss: Ein extrem detaillierter, nachgebauter Stollen. Auf einem 150 Meter langen Rundgang in simulierter Tiefe laufen Sie zwischen Originalwerkzeugen und Helmlampen hindurch, während historische Tonaufnahmen ehemaliger Bergleute aus den 1980er Jahren die Szenerie akustisch untermalen. Der Eintritt ist günstig gehalten, in der Hauptsaison ist das Museum täglich außer sonntags von 10 bis 21 Uhr geöffnet.
Der Bergbau ist in Labin keine reine Folklore. Bis 1989 war die Stadt das unangefochtene Zentrum des kroatischen Steinkohle-Bergbaus. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeiteten in den Labiner Bergwerken zeitweise über 10.000 Kumpel. Diese große Arbeiterschaft schrieb politische Geschichte: Zwischen dem 2. März und dem 8. April 1921 riefen die Bergarbeiter die Labiner Republik aus. Diese 37-tägige antifaschistische Selbstverwaltung gilt als einer der allerersten organisierten Aufstände gegen den italienischen Faschismus. Der Auslöser für den Streik war ein Überfall einer faschistischen Gruppe auf den Gewerkschaftsführer Giovanni Pippan am 1. März 1921 am Bahnhof von Pazin. Von dieser prägenden Industrieära zeugt bis heute der 32,5 Meter hohe Förderturm Šoht im ehemaligen Industriegebiet. Er stammt aus dem Jahr 1940 und wurde mittlerweile aufwendig saniert, eine Besteigung ist jedoch nicht möglich.
Für einen Ausgleich zur dichten Historie bietet sich eine kurze Fahrt in den drei Kilometer entfernten Skulpturenpark Dubrova an, wo 94 Werke kroatischer und internationaler Künstler bei freiem Eintritt frei zugänglich in der Landschaft stehen. In den Abendstunden lohnt sich zudem ein Besuch am Aussichtspunkt Fortica. Von dort oben reicht der Blick weit über Rabac hinweg bis zu den glitzernden Kvarner-Inseln Cres und Krk.
7. Hum
Mit offiziell 52 Einwohnern (laut Volkszählung 2021) trägt Hum völlig zurecht den Titel der kleinsten Stadt der Welt. Dass diese extrem kleine Siedlung überhaupt als Stadt gilt, liegt an ihrem mittelalterlichen Stadtrecht, das formell nie aufgehoben wurde. Hum liegt 14 Kilometer östlich von Buzet und ist noch immer von einer komplett intakten Stadtmauer umgeben. Der städtebauliche Aufbau ist dabei äußerst reduziert: Innerhalb der Mauern gibt es zwei parallele Gassen, eine Pfarrkirche, einen Friedhof, eine Konoba und einen zentralen Hauptplatz mit Brunnen. Mehr Gebäude existieren im historischen Kern schlichtweg nicht.
Der Weg ins Innere führt durch das Stadttor von 1562, dessen massive, zweiflügelige Kupferportaltür allerdings erst 1981 eingesetzt wurde. Ein Blick auf die Innenseite des Tores lohnt sich: Hier sind zwölf glagolitische Zeichen eingelassen, die für die zwölf Monate des Kalenderjahres stehen. Die Glagoliza ist im Ortsbild omnipräsent. Diese älteste slawische Schrift wurde im 9. Jahrhundert von den Gelehrten Kyrill und Method entwickelt und hielt sich in Istrien bei liturgischen Texten hartnäckig bis ins 19. Jahrhundert. Ein bemerkenswertes organisatorisches Detail betrifft die kleine Friedhofskapelle mit ihren glagolitischen Inschriften aus dem 12. Jahrhundert: Für eine Besichtigung wenden Sie sich an die Humska Konoba, das einzige Wirtshaus am Platz. Dort hinterlegen Sie ein Pfand, bekommen den Schlüssel ausgehändigt, schließen die Kapelle selbst auf und bringen den Schlüssel im Anschluss wieder zurück. Dieses Vorgehen ist ein seltenes Beispiel für vollkommen entschleunigten Tourismus.
Hum markiert zudem den Endpunkt der Glagolitischen Allee. Diese 6 Kilometer lange Strecke beginnt in Roč und ist gesäumt von elf monumentalen Steinskulpturen des Bildhauers Želimir Janeš, die zwischen 1977 und 1985 aufgestellt wurden. Mit dem Auto lässt sich diese Distanz in 30 Minuten abfahren, mit dem Rad müssen Sie etwa zweieinhalb Stunden einplanen. Vor Ort wird bevorzugt eine sehr spezifische lokale Spezialität ausgeschenkt: die Biska. Dieser tief in der Region verwurzelte Mistelschnaps wird mit weiteren Kräutern verfeinert, traditionell direkt aus kleinen Holzfässern gezapft. Historische Kontinuität zeigt sich auch in den lokalen Strukturen: Einmal im Jahr, im Juni am Tag "leto dan", wählt Hum seinen Bürgermeister, wobei traditionsgemäß ausschließlich die männlichen Stadtbewohner abstimmen dürfen. Wer in der Gegend übernachten möchte, muss ins Umland ausweichen: Direkt in Hum existieren keine Beherbergungsbetriebe, die nächsten Gästebetten finden Sie in Roč oder Buzet.
8. Vodnjan
Vodnjan liegt nur 10 Kilometer nördlich von Pula und zählt 6.300 Einwohner, unter denen sich historisch bedingt ein außergewöhnlich hoher Anteil an italienischen Muttersprachlern befindet. Die städtebauliche Ästhetik drängt sich beim Gang durch die Gassen nicht ganz so offensichtlich auf wie in Rovinj oder Motovun. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart die Altstadt eine enorme Dichte an historischer Bausubstanz: Sie laufen durch verwinkelte Gassen, die von massiven Bürgerhäusern aus dem 14. bis 18. Jahrhundert gesäumt werden. Im Zentrum der Bebauung steht die Kirche Sveti Blaž mit ihrem 62 Meter hohen Glockenturm, der den höchsten Sakralbau der gesamten Region markiert.
Das im Jahr 1800 fertiggestellte Kirchengebäude beherbergt in seinem Inneren eine außergewöhnliche sakrale Sammlung. Hier ruht die Reliquiensammlung von Vodnjan, eine Zusammenstellung von insgesamt 370 Reliquien von 250 christlichen Heiligen. Ein noch größeres und mitunter etwas morbides Interesse ziehen jedoch die sogenannten Mumien von Vodnjan auf sich. Hinter dem Hauptaltar liegen in Glassärgen drei vollständig erhaltene Körper von Heiligen. Der unerklärliche Aspekt dieses Fundes ist die Tatsache, dass diese Körper weder einbalsamiert noch jemals luftdicht versiegelt wurden. Warum sie bis heute nicht verwest sind, bleibt wissenschaftlich ein ungelöstes Rätsel. Für rund 5 Euro Eintritt lässt sich dieses Phänomen täglich außer sonntags besichtigen. Rund 15.000 Besucher entscheiden sich jedes Jahr für diesen Rundgang.
Wirtschaftlich und kulinarisch stützt sich Vodnjan auf ein zweites starkes Fundament: das Olivenöl. Die Böden rund um die Stadt gehören zu den ertragreichsten und hochwertigsten Anbaugebieten Istriens. Der renommierte italienische Fachführer für Olivenöl, der Flos Olei, listet regelmäßig mehrere der besten istrischen Produzenten aus Vodnjan. Ein prominenter Produzent in diesem Segment ist das Chiavalon-Olivenöl. Während dieses Öl in Pula und Rovinj auf den Tischen der gehobenen Restaurants steht, lässt es sich beim Produzenten in Vodnjan im Ab-Hof-Verkauf deutlich günstiger erwerben.
Ein wenig bekanntes topografisches Detail ist der teils hohle Untergrund von Vodnjan. Unter dem historischen Stadtkern verbergen sich unterirdische Zisternen-Systeme aus der venezianischen Epoche, die einst das Trinkwasser für die Bewohner sammelten. Auf dem Hauptplatz Narodni Trg gibt eine begehbare Glasplatte den Blick in die Tiefe frei, während sich weitere Zisternen im Rahmen einer geführten Tour erkunden lassen. Für die anschließende Verpflegung fällt die gastronomische Auswahl zwar überschaubar, qualitativ aber hochwertig aus. Die wenigen verfügbaren Restaurants konzentrieren sich direkt um den Hauptplatz. Eine verlässliche Anlaufstelle ist hierbei die Vodnjanka Konoba, die für ihre klassische istrische Hausmannskost, kräftige Maneštra und handgemachte Pljukanci weithin geschätzt wird.
Übersicht der acht Städte
| Stadt | Lage | Einwohner | Hauptattraktion | Hochsaison voll | Eintritt Hauptattraktion |
|---|---|---|---|---|---|
| Rovinj | Westküste | 13.000 | Sveta Eufemija, Altstadt | ja, sehr | Turm 4 Euro |
| Poreč | Westküste | 16.500 | Euphrasius-Basilika | ja | Basilika 10 Euro |
| Pula | Südspitze | 52.000 | Arena, Forum | mittel bis hoch | Arena 10 Euro |
| Motovun | Hinterland | 912 | Wehrmauer-Rundweg, Trüffel | mittel | Parken am Hügelfuß |
| Grožnjan | Hinterland | 656 | Künstler-Ateliers, Musik | nein | frei |
| Labin | Ostküste | 10.400 | Narodni Muzej, Altstadt | nein | Museum günstig |
| Hum | Hinterland | 52 | Glagolitische Allee, Stadttor | nein | frei |
| Vodnjan | Südwesten | 6.300 | Sveti Blaž mit Mumien | mittel | Kirche ca. 5 Euro |
Tipps für die Reiseplanung
Von einem zentralen Standort wie der Region um Pazin oder Sveti Lovreč lassen sich alle acht Städte innerhalb von 60 Autominuten erreichen, was eine ideale Basis für einen einwöchigen Roadtrip mit zwei Stadtbesichtigungen pro Tag plus Strandpausen bildet. Wer seine Route an der Westküste beginnt, sollte für die Strecke von Poreč nach Labin eine reine Fahrzeit von etwa 75 Minuten einkalkulieren. Die topografisch anspruchsvollen Zufahrten nach Motovun, Grožnjan und Hum führen über schmale Bergstraßen, die im Winter bei starkem Bora-Wind gelegentlich komplett gesperrt werden. Das Tankstellennetz ist solide ausgebaut und bietet alle 15 bis 20 Kilometer eine Zapfsäule, lediglich im Inland zwischen Buzet und Labin entsteht eine Versorgungslücke von rund 25 Kilometern. Reisende mit dem Wohnmobil parken in Motovun und Grožnjan verpflichtend außerhalb auf den ausgewiesenen Schotterflächen am Ortseingang, da für die regulären Altstadt-Parkplätze oftmals strikte Höhenbeschränkungen gelten.